Die Restfehler im Einzelnen: falsche Freunde, die Auslautverhärtung, das Perfekt, das keines ist, und die Partikeln, die fehlen.
Sie sind vermutlich über ein einzelnes Wort hier gelandet. Vielleicht Zwiebel, das onion heißt, vielleicht Steckdose, das socket heißt. Und dann stand da eine Seite, die Ihnen das Alphabet erklären wollte und wie man sich begrüßt. So weit sind Sie längst hinaus.
Die meisten Deutschen haben seit der Grundschule Englisch, lesen Fachtexte ohne Wörterbuch und halten ganze Besprechungen auf Englisch, ohne zwischendurch nachzudenken. Ihr Englisch ist nicht lückenhaft. Es ist gut genug, dass niemand mehr Lust hat, daran herumzukorrigieren, und genau darin liegt das Problem. Was übrig bleibt, wenn eine Sprache im Alltag funktioniert, ist eine dünne Schicht kleiner Fehler, die nie ein Missverständnis auslösen. Niemand unterbricht Sie mitten im Satz, um zu sagen, dass man das anders formuliert. Britische und amerikanische Kollegen verstehen Sie ausgezeichnet, und unhöflich sein wollen sie ohnehin nicht. Also bleiben die Fehler stehen, jahrelang, bis sie sich richtig anfühlen.
Im Gespräch verschwinden sie. Im Geschriebenen nicht. Eine E-Mail, eine Bewerbung, ein Angebot oder ein Text auf einer Website wird langsam gelesen, von jemandem, der Zeit hat zu stutzen. Dann fällt das Komma vor that auf, das dort nichts zu suchen hat, oder ein eventually, das possibly heißen sollte, oder ein Satz, der vollkommen korrekt ist und trotzdem übersetzt klingt.
Der Grund liegt in der Verwandtschaft selbst. Englisch und Deutsch sind Geschwister, und das merkt man an jeder zweiten Vokabel: Haus und house, trinken und drink, sogar an der Musterbildung der starken Verben, singen sang gesungen neben sing sang sung. Dieser Vorsprung ist echt und er ist groß. Er hat nur eine Rechnung: Weil Ihnen so viel bekannt vorkommt, schlagen Sie fast nichts mehr nach, und die Wörter, die Ihnen am vertrautesten sind, sind genau die, bei denen sich die beiden Sprachen vor ein paar Jahrhunderten getrennt haben.
Für die Grammatik gilt dasselbe. Die deutsche Struktur ist nicht abwesend, sie liegt nur ein Stück verschoben. Nichts davon ist eine Lücke, alles davon ist eine Gewohnheit am falschen Ort, und deshalb schwerer zu bemerken als etwas, das Sie nie gelernt haben. Diese Seite behandelt drei Bereiche:
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Deutsch und Englisch sind verwandt, und genau deshalb sind die falschen Freunde gefährlich. Wer eine entfernte Sprache lernt, misstraut jeder Vokabel. Wer ein englisches Wort sieht, das deutsch aussieht, erkennt es wieder, entspannt sich und geht in die Falle. Das ist die einzige Kategorie auf dieser Seite, in der der Fehler den Inhalt verändert.
Die berühmten Fälle können Sie überspringen. Dass bekommen nicht become heißt und dass ein deutsches Gift im Englischen ein Geschenk ist, lernt man im ersten Jahr, weil beide Fehler komisch sind und jemand lacht. Interessant sind die Wörter, die einen tadellosen englischen Satz erzeugen, der etwas anderes bedeutet, als Sie sagen wollten. Bei denen lacht niemand, und niemand fragt nach.
Das teuerste ist eventuell. Auf Englisch heißt das possibly oder if necessary. Eventually bedeutet schließlich, irgendwann, nach einer Weile, und sagt aus, dass etwas eintreten wird. Wer We can eventually deliver on Friday schreibt, hat die Lieferung zugesagt. Gemeint war We can deliver on Friday if necessary.
Eine zweite Gruppe ist im Deutschen englisch und im Englischen unverständlich. Das Handy heißt mobile oder cell phone, der Beamer heißt projector, der Oldtimer heißt vintage car, Mobbing heißt bullying, das Homeoffice heißt working from home, der Smoking heißt tuxedo. Diese Wörter sind heimtückischer als klassische falsche Freunde, weil Sie sie für englisch halten und deshalb mit besonderem Selbstvertrauen aussprechen.
Ein Sonderfall gehört in jede Tabellenkalkulation: Die englische billion ist eine Milliarde, die deutsche Billion heißt trillion. Beide Wörter existieren in beiden Sprachen, der Zahlensatz sieht also plausibel aus und liegt trotzdem um den Faktor tausend daneben.
Die Faustregel lautet: misstrauisch werden Sie genau dann, wenn das Wort vertraut wirkt. Fremd aussehende Wörter schlagen Sie aus Gewohnheit nach. Deutsch aussehende Wörter schlagen Sie nie nach, und dort leben die Restfehler. Wenn Sie etwas schreiben, das zählt, also eine Bewerbung, ein Angebot oder einen Vertrag, prüfen Sie genau die Wörter, bei denen Sie sich am sichersten waren.
Der deutsche Akzent im Englischen ist bemerkenswert stabil. Das liegt nicht daran, dass die Laute besonders schwer wären, sondern daran, dass kein einziger von ihnen je etwas kostet: Jeder Bestandteil wird vom Zusammenhang aufgefangen, jedes Mal. Es folgt eine Sortierung danach, was tatsächlich Information trägt.
Ganz oben steht die Auslautverhärtung. Im Deutschen wird jeder stimmhafte Verschlusslaut am Wortende hart, deshalb klingt Rad wie Rat und Bund wie bunt. Diese Regel wandert mit: bed wird zu bet, dog zu dock, have zu haff, is zu iss, of zu off, love zu luff. Das ist das hartnäckigste Einzelmerkmal überhaupt, und es führt praktisch nie zu einem Missverständnis.
Der interessante Teil ist die Reparatur, denn die liegt nicht dort, wo man sie vermutet. Englische Ohren unterscheiden stimmhaft und stimmlos am Wortende weniger am Konsonanten als an der Länge des Vokals davor. Der Vokal in bead ist deutlich länger als der in beat, und dasselbe gilt für bad gegen bat und prize gegen price. Ein deutscher Sprecher verhärtet nicht nur den Konsonanten, er kürzt zugleich den Vokal und sendet damit dasselbe falsche Signal doppelt. Üben Sie deshalb nicht den Konsonanten, sondern dehnen Sie den Vokal in bed, have, love. Der Schlusslaut darf danach so schwach bleiben, wie er will.
Fast ebenso wirksam ist der Knacklaut. Das Deutsche setzt vor betonte Anfangsvokale einen kleinen Verschluss, deutlich zu hören in be:obachten und Spiegel:ei. Das Englische bindet stattdessen über die Wortgrenze hinweg: an apple klingt wie a-napple, not at all wie no-ta-tall. Wer jedes Wort neu ansetzt, klingt abgehackt, und das ist der eigentliche Grund, warum deutsches Englisch als hart wahrgenommen wird. Mit einzelnen Lauten hat es nichts zu tun. Üben lässt es sich an kurzen Ketten: take it easy, give it a go, pick it up.
Dann die Verteilung des s. Im Deutschen ist ein s vor Vokal am Wortanfang stimmhaft, deshalb klingt Sonne wie zonne, und daraus wird sun als zun und simple als zimple. Im Englischen ist das anlautende s immer stimmlos. Umgekehrt verlangt das Deutsche am Wortanfang schp und scht, wo geschrieben sp und st steht, und dieselbe Angewohnheit macht aus study ein schtudy und aus street ein schtreet. Beides sind Ein-Satz-Korrekturen, die den Akzent sofort spürbar leiser machen.
Die beiden th-Laute fehlen im Deutschen vollständig. Anders als in vielen anderen Sprachen greifen deutsche Sprecher dabei meist nicht zu t und d, sondern zu s und z: aus think wird sink, aus this wird zis. Verwandt damit ist das Trio w, v und f: Deutsches w ist der englische v-Laut, deutsches v ist der englische f-Laut, weshalb die Schrift Sie in beide Richtungen in die Irre führt und we zu ve, very zu ferry gerät. Wer das bemerkt, überkorrigiert gern und macht aus very ein wery.
Bleibt das Vokalpaar, das die meisten Minimalpaare zerstört. Das Englische unterscheidet den offenen Laut in bad und man von dem geschlosseneren in bed und men. Im Deutschen gibt es nur einen davon, also landen beide im selben Fach. Der offene Laut braucht mehr Kiefer, nicht mehr Länge. Verschwinden muss übrigens nichts davon. Ein deutscher Akzent im Englischen ist gut angesehen und leicht zu mögen. Es geht nur darum, zu wissen, welche Teile davon Bedeutung tragen und welche bloß Klang sind.
Die deutsche Grammatik ist im Englischen nicht abwesend, sie liegt verschoben. Das erklärt, warum die Restfehler so lange überleben: Sie haben nicht das Gefühl, etwas nicht zu wissen, sondern das Gefühl, es zu wissen, und dieses Gefühl kommt aus der falschen Sprache.
Der größte Einzelfall ist das Perfekt. Ich habe ihn gesehen und I have seen him bestehen aus denselben Bausteinen, haben aber verschiedene Aufgaben. Das deutsche Perfekt ist die normale gesprochene Vergangenheit und verträgt jede Zeitangabe, das englische present perfect verbietet einen abgeschlossenen Zeitpunkt. Deshalb ist I have seen him yesterday falsch und I saw him yesterday richtig. Die Regel ist kurz: Wenn Sie sagen können wann, nehmen Sie das simple past. Dasselbe gilt für last week und when I was at school.
Die Kehrseite ist seit. Das Deutsche benutzt dort das Präsens, das Englische verlangt genau hier das present perfect: Ich wohne seit drei Jahren hier wird zu I have lived here for three years. Dazu teilt sich seit auf zwei Wörter auf: eine Zeitspanne bekommt for, ein Zeitpunkt bekommt since. Der Satz I live here since three years enthält also zwei Fehler auf einmal und ist das zuverlässigste Erkennungszeichen überhaupt. Direkt daneben liegt bis: eine Frist ist by, nicht until. I will finish it by Friday nennt einen Termin, until Friday beschreibt einen andauernden Zustand.
Bei der Wortstellung ist die grobe Form längst verschwunden. Niemand auf Ihrem Niveau schreibt noch Yesterday went I home. Was überlebt, ist das Adverb: Das Deutsche darf zwischen Verb und Objekt etwas einschieben, das Englische nicht. Ich mag diesen Film sehr wird zu I like this film very much und nie zu I like very much this film, Ich spreche sehr gut Englisch zu I speak English very well. Objekt zuerst, alles Weitere danach.
Das sichtbarste Merkmal in geschriebenen Texten ist ein Komma. Das Deutsche schreibt vor jeden Nebensatz eines, vor dass, weil und ob, und diese Regel ist so gründlich eingeübt, dass sie unbemerkt mitwandert. Im Englischen steht vor that kein Komma und vor because normalerweise auch nicht. I think, that this is the right approach ist der Satz, an dem eine englische Leserin sofort erkennt, wo Sie herkommen. Verwandt ist die Neigung, Substantive mitten im Satz groß zu schreiben, vor allem Abteilungen, Titel und Produktnamen.
Zwei Kleinigkeiten mit großer Wirkung. Erstens die Verneinung von müssen: Du musst das nicht machen heißt You do not have to do that, während You must not do that ein Verbot ausspricht, also das Gegenteil einer Entlastung. Zweitens die Stoffnomen. Informationen, Ratschläge, Möbel und Kenntnisse stehen im Deutschen im Plural, ihre englischen Entsprechungen können das nicht: es heißt some information, a piece of advice, two pieces of furniture. Dasselbe gilt für feedback, research, evidence und software.
Zuletzt die Wörter, die es im Englischen nicht gibt. Doch, ja, mal, eben und halt tragen Haltung statt Inhalt und haben kein englisches Stichwort, auf das man ausweichen könnte. Das Englische erledigt dieselbe Arbeit mit Rückfragen und Tonfall. Das ist doch klar wird zu Surely that is obvious, Setz dich doch wird zu Do sit down, Komm mal her wird zu Come here a second. Fallen diese Partikeln ersatzlos weg, wird Ihr Englisch kürzer und bestimmter, als Sie es gemeint haben. Das ist der häufigste Grund dafür, dass freundliche Deutsche in englischen E-Mails schroff wirken, und es hat mit Wortschatz nichts zu tun.
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